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Das große Orchester und viele Talente

Bürgerhaus erlebt ersten Höhepunkt der diesjährigen Kulturveranstaltungen in Ibbenbüren.

Das Sinfonieorchester des Musikvereins Glückauf hatte zum Neujahrskonzert eingeladen und natürlich konnte sich der Veranstalter wieder über ein volles Haus freuen. Dirigent Christopher Wasmuth setzt auf Vielfalt und hat Gespür für das Besondere, das gerne aus der Region kommen darf. Zunächst präsentiert er mit seinen circa 60 Instrumentalisten eine Polka-Mazurka-Walzer-Fantasie. Streicher, Bläser und Schlagzeuger bieten einen Strauß guter Musik und überzeugen mit Wohlklang, Klangfülle und hervorragendem Zusammenspiel.

Und dann kommt die Zeit der besonderen Talente. Frisch und unverbraucht erobern Dennis Brause und Frederik Rößler als Moderatoren die Zuneigung des Publikums. Die beiden sind Musikstudenten und scheinen bei ihrem Dozenten Wasmuth wesentlich mehr als nur Noten zu lernen.

Sie stellen das Orchester vor und sich selbst und interessieren sich für die Zuhörer. „Woher kommt ihr?“ und „Welche Schuhgröße hast du, welches Sternzeichen?“ Das bringt viele zum Lachen und sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Und da die beiden nicht nur etwas von Musik verstehen, geizen sie in ihren fundierten Programmhinweisen nicht mit netten Zusatzinformationen, beispielsweise dass die folgenden Künstler auch im Privaten ein Paar sind.

Auf der Bühne glänzen sie mit Violine und Bratsche im betörenden Zusammenspiel miteinander und mit dem Orchester. Anna Marila kommt aus Finnland, ist aber international unterwegs, und Nils Biesewig ist in Ibbenbüren aufgewachsen. Auch er ist schon in Konzertsälen von Rang aufgetreten, wie beispielsweise der Elbphilharmonie. Musik von Mozart wird herausragend interpretiert.

Nach den Tänzen von Antonín Leopold Dvořák kommt das nächste junge Talent. Natalie Helgert die in der Region schon längst keine Unbekannte mehr ist. Sie studiert zurzeit Gesang und bezaubert mit ihrer klaren Sopranstimme das Publikum. Sie wagt sich an durchaus anspruchsvolle Stücke.

Besonders das Couplet der Adele an den Herrn Marquis setzte sich als Ohrwurm fest. Die Mutter von Natalie spielt die erste Geige im Orchester. Etwas verlegen gibt sie auf Nachfrage des Moderators zu, dass sie stolz auf ihre Tochter ist. Das Publikum hielt sich da nicht so zurück und bekräftigte mit lang anhaltendem Applaus die Verbundenheit mit der Stimme aus der Region.

Peter Bönsch gehört als Urgestein zum Orchester. Er leitet sein Fagott-Solo mit einer Inhaltsangabe zur Polka „Der alte Brummbär“ so geschickt ein, dass man bei der Musik förmlich den Bären vor Augen hat, wie er durch den Frühling tappst auf der Suche nach dem Mädel und etwas Essbaren.

Nach der Pause überrascht Adrian Golbeck mit seiner Marimba zunächst mit einem Solostück und dann zusammen mit dem Orchester. Die Moderatoren kündigen diese Musik an als sehr rhythmisch, bewegt, modern, romantisch, trotzdem eingängig und unglaublich virtuos. Das Publikum staunt und ist begeistert.

Und noch nicht genug: Melissa Hagemann, auch in der Region beheimatet, präsentiert ihre neue Leidenschaft, das Saxofon. Hartnäckig hat sie ihren Mentor von ihrem neuen Weg überzeugt. Sie öffnet noch einmal neue Türen für das Feierabendkonzert und kommt prächtig beim Publikum an.

Erhebend der Abschluss des Abends, als das Orchester das Steigerlied intoniert und so mancher bis zur dritten Strophe mitsingt. Die Glocke hatte nach alter Tradition das Konzert eröffnet und ihr gehört auch der letzte Ton.

 

Text: IVZ / Fotos: Thorsten Schulz