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18.05.2019

Musik mit viel Lokalkolorit im Bürgerhaus


Einen grandiosen Abschluss der Feierabendsaison erlebten am Donnerstagabend etwa 750 Besucher im Bürgerhaus mit dem Konzert „Glückauf - die Zukunft beginnt“.

Der Vereinsvorsitzende Robert Kropf freute sich, dass das Publikum dem Musikverein Glückauf Anthrazit Ibbenbüren die Treue hält. Dies zeige, wie wichtig Traditionen sind, stellte Heike Humpf, Leiterin Bildung, Wissenschaft und Kultur der RAG-Stiftung, in ihrer Begrüßungsansprache fest. Zwar sei die Steinkohleförderung beendet, die Werte der Bergleute und deren kulturelle Leistungen blieben jedoch bestehen. „Es geht darum, Traditionen fortzuführen und Zukunftsimpulse zu setzen,“ betonte sie. Für den Erhalt einer lebendigen Erinnerungskultur stünden auch die Ibbenbürener Musiker und Sänger, die von der RAG-Stiftung weiterhin gefördert werden.

Nach dem temperamentvollen Einstieg des Blasorchesters - die festliche Unity-Fanfare von Otto M. Schwarz mit Bastian Tillmann am Dirigentenpult - kündigte Moderator Maximilian Maier einen ersten Themenkomplex zum Bergbau an. Charmant plaudernd erläuterte er, dass die Operette „Der Obersteiger“ von Carl Zeller zwar eine recht dünne Handlung, aber klangvolle Schmuckstücke zu bieten hat. Ein Marsch, virtuos vorgetragen von Sinfonie- und Blasorchester unter Leitung von Christopher Wasmuth, sowie der „Grubenlichter-Walzer“ bestätigten die Aussage.

Während des gesamten Abends waren auf der großen Leinwand Filme und Bilder der außergewöhnlichen Installation „Lichtwechsel.Ruhr“ zusehen. Die beiden Fotografen Rolf Arno Specht und Wolfgang Schubert stellten das Projekt im Interview vor. Da ihnen aufgefallen war, dass Bergbau-Anlagen nachts meist unbeachtet herumstehen, strahlen sie im Ruhrgebiet und anderswo Fördertürme und urbane Objekte in leuchtenden Farben an. Das Motto „Poesie von Licht und Stahl“ ist eine treffliche Erklärung für diese wunderbaren Kunstwerke.

Musikalisch ließ der Abend keine Wünsche offen. Das Thema Bergbau wurde mit dem Walzer „Gold und Silber“ von Franz Lehár und dem romantischen Popsong „Heroes“ von David Bowie weitergeführt. Als Solist konnte der 23-jährige Sänger Johann Zumbült seine stimmlichen und darstellerisch-mimischen Fähigkeiten voll ausspielen. Er studiert Gesang am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück im Schwerpunktfach Musical. Mit „Gethsemane“ aus „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber bewies er seine Fähigkeiten in diesem Genre.

Der Jägerchor aus der Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber leitete zu der Thematik „Märchen-Wald-Berg“ über. Wolfgang Lange dirigierte Sinfonieorchester und Steigerchor. Die Uraufführung des sinfonischen Werkes „Die Zwerge vom Schafberg“ von Christopher Wasmuth war ein weiterer Höhepunkt des Abends. Im Interview erzählte der Komponist augenzwinkernd die Geschichte der Entstehung und klangliche Besonderheiten. In Ibbenbüren werde Zukunft gelebt, unterstrich Maximilian Maier. Er ist als Musikjournalist, Radio- und Fernsehmoderator bekannt und hatte zu jedem Musikstück unterhaltsame Informationen und Geschichten herausgesucht, die einen stimmigen Rahmen bildeten.

Nach dem furiosen Finale mit der Gänsehaut-Ballade „Music“ von John Miles mit beiden Orchestern, dem Chor, einer Projekt-Band und Johann Zumbült ging das Licht aus, und Knappen zogen mit Grubenlampen in den Saal. „Glück auf, der Steiger kommt“ war der würdige Abschluss für ein großartiges Konzert, das in langem Applaus endete.

Text: IVZ / Fotos: Thorsten Schulz