Steigerchor
Der Bergsängerchor
Als Vorläufer des Steigerchors gab es den Bergsängerchor.
Im Jahre 1822 wurden zwei Chöre von je 24 unverheirateten Sängern gebildet, die verheirateten hatten dafür offensichtlich keine Zeit. Bald wurden zwei Bergsängerchöre gebildet, einer für den Dickenberg, einer für den Schafberg
Als die Arbeitsverhältnisse schlechter wurden und die Sänger nicht rechtzeitig zu den Übungsstunden kamen, setzte man ‑ ein Jahr nach der Gründung ‑ die Stärke der Chöre von 24 auf 12 herab. Das konnte nicht gut gehen: Männerchöre mit nur 12 Sängern, dazu noch ungeschulte Stimmen, klingen nicht. Es kam, wie es kommen musste. Im Sommer 1825 war man gezwungen, den "Gesangsunterricht" einstweilen ausfallen zu lassen; er sollte im Frühjahr wieder aufgenommen werden.
Es war der ausdrückliche Wunsch von Bergrat Otto Dreyer, der im Oktober 1933 neugegründeten Bergkapelle einen Bergsängerchor an die Seite zu stellen.
Als Leiter des Chores stand Bergobersekretär Karl Schreiber bereit.
Ein Aufruf vom 3. 3. 1934, dass sich alle sangesfreudigen Werkskameraden zum gemeinsamen Singen einfinden möchten, hatte Erfolg. 35 Bergsänger fanden sich zur ersten Probe am Sonntag, dem 25. März 1934, ein. Es waren vertreten: jung und alt, hoch und niedrig, "Männer vom Leder und von der Feder", neben den beiden Betriebsführern mehrere Steiger, Hauer, Schlepper, viele Jungbergleute, auch Prokuristen, Bürovorsteher und andere "von der Feder".
Karl Schreibers sachkundige und mit Humor durchsetzte Art, den Chor zu leiten, fand Anklang. 1935 hatte der Bergsängerchor bereits 71 Mitglieder.
Der Chor sang in den ersten Jahren nach seiner Gründung vor allem bei internen Veranstaltungen des Bergwerkes.
Der II. Weltkrieg beendete die Arbeit des Bergsängerchores.
Vom Biergesang zum Chorgesang
An einem Mittwochabend im März 1985 trafen sich in der Bergberufsschule (frühere Schafberger Volksschule) 52 sangesfreudige Männer zum ersten Probenabend eines neuen Chores. Probenleiter der ersten Stunde war Herrn Paul Epping.
Wie und warum kam es zur Gründung dieser Chorgemeinschaft?
Zu erwähnen sind hier zunächst die Feste und Feiern, die in den 80er Jahren von den und für die angestellten Mitarbeiter der Preussag AG Kohle veranstaltet wurden. Der Ring Deutscher Bergingenieure, in dem viele der technischen Angestellten Mitglied waren, feierte jährlich ein Frühlings‑ oder ein Herbstfest. Das Barbarafest, eine Veranstaltung der Preussag AG Kohle für alle Angestellten, war Anfang der 80er Jahre gerade wieder neu belebt worden, und die Aufsichtspersonen des Abbaus feierten jedes Jahr im Dezember ihre Nikolausfeier.
Bei der Nikolausfeier im Dezember 1984 geschah etwas Merkwürdiges. Auf einmal wurde in einer Thekenrunde die Frage diskutiert. Warum singen wir eigentlich immer nur im berauschten Zustand, wir könnten das nüchtern bestimmt wesentlich besser?
Die Organisatoren dieser Nikolausfeier, der damalige Obersteiger Berlekamp und der damalige Betriebsführer Ullrich, versprachen in dieser Runde, sich nach einem geeigneten Chorleiter umzusehen und die Gründung eines Bergmannschores einzuleiten.
Sänger der ersten Stunde
Der Bergbaualltag hatte uns wieder, und die Angelegenheit schien fast vergessen. Da kam ein Aufruf am schwarzen Brett in der Steigerstube und in der Kaue: Erster Probenabend
Steigerchor, dieser Name sollte es sein.
Im März 1985 trafen wir uns zur Gründungsversammlung unseres Chores im Gastraum der Gaststätte Berghof.
Am 3.01.1986 fand in der Gaststätte Haus Berghof die erste Generalversammlung statt.
Namensgebung für unseren Chor. Der Name „Steigerchor“ war favorisiert. Die Begründung dafür war: Alle Mitglieder des Chores seien im Aufsichtsdienst der Preussag AG Kohle beschäftigt Die allgemeine Anrede dieser Leute im Schacht wäre einfach Steiger. Diese alte und traditionsreiche Berufsbezeichnung sollte mit dem Namen des Chores verbunden sein. Die Mehrheit der Anwesenden entschied sich bei der abschließenden Abstimmung für den Namen Steigerchor.
Bereits im Jahre 1987 fand die Generalversammlung statt.
Repräsentant des Ibbenbürener Bergbaus
Ziel unserer Chorgemeinschaft ist in erster Linie die Pflege des bergmännischen Liedgutes. In der Zwischenzeit sind auch eine große Anzahl Lieder aus dem traditionellen Männerchorgesang in unser Repertoire aufgenommen worden. Seit dem Jahre 1996 wird die mittlerweile zum festen Bestandteil der St. Agatha Kirchengemeinde gewordene Barbaramesse.
Aller Anfang ist schwer
Dirigent Paul Epping hatte mit uns fleißig verschiedene Bergmannslieder und ein paar Volkslieder eingeübt. Jeden Mittwochabend später dann am Montagabend traf sich unsere Sängerschar zu den Proben in der Bergberufsschule (alte Schafberger Volksschule) zum Übungsabend. Am 7. Dezember 1985 fand dann der erste Auftritt des Steigerchores auf der Barbarafeier statt.
Durch das Tragen des Bergkittels bei all unseren Auftritten und nicht zuletzt bei verschiedenen Aktionen zum Erhalt der Arbeitsplätze auf unserem Bergwerk wollen wir immer Repräsentanten des heimischen Steinkohlebergbaus sein. Daran werden wir auch in Zukunft festhalten.
Wir haben es gemeistert oder geschafft.
Stabwechsel
Am 19. April 1986 fand der zweite Auftritt des Steigerchores aus Anlass des Frühlingsfestes des „Ring Deutscher Bergingenieure“ statt. Am 6. Dezember 1986 folgte dann der dritte zur Barbarafeier. Im Januar 1987, mitten in den Vorbereitungen für unseren Auftritt beim Frühlingsfest des RDB, das am 28. März 1987 gefeiert werden sollte, geschah etwas Unvorgesehenes. Unser Dirigent Paul Epping erkrankte schwer.
Die Chorproben wurden abgesagt. Bange Frage allerseits: War es das? Nein! Seit Mitte der 70 er Jahre wohnte im Schatten der „Von Oeynhausen‑Schachtanlage“ völlig arglos der Lehrer und Musikpädagoge Heinz Neumann. Er konnte als Chorleiter gewonnen werden.
Bleibt noch nachzutragen: Paul Epping ist von seiner Krankheit genesen. Er lebt heute als Rentner in Dreierwalde.
Botschafter
Repräsentanten des Ibbenbürener Steinkohlenbergbaus
Barbaramesse
Als eine der 14 Nothelfer wird die Hl. Barbara besonders zum Schutz vor jähem Tod und als Beistand der Sterbenden angerufen. Zahlreiche Volksbräuche zeigen ihre Verehrung: Zweige werden an ihrem Gedenktag als "Barbarazweige" von Apfel‑ oder Kirschbäumen abgeschnitten und ins Wasser gestellt. Blühen sie am Weihnachtsfest, dann wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet. Dieser Brauch soll auf Barbaras Gefangenschaft zurückgehen. In den letzten Tagen ihres Lebens habe sie einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt und im Bewusstsein ihres Todesurteils fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte. Die Knappen im Bergwerk erhielten am Barbaratag das vor Unheil schützende "Barbaralicht". In vielen Bergbauregionen werden im Dezember Barbarafeiern abgehalten. Eine besondere Art der Verehrung der Hi. Barbara ist die Feier eines Gottesdienstes, wie er konfessionsübergreifend seit dem 8. Dezember 1996 in der Mettinger Pfarrkirche St. Agatha stattfindet.
Am 8. Dezember 1996 fand die erste Barbaramesse in der vollbesetzten St.‑ Agatha‑ Kirche statt. Diese erste Messe ist sicher noch allen Beteiligten in guter Erinnerung. Unter den feierlichen Klängen des Blasorchesters zogen die Fahnenabordnungen, die Zelebranten, Messdiener und der Steigerchor in langer Prozession in die Kirche ein. Wir sangen damals die deutsche Messe von Michael Haydn, einem Bruder des bekannteren Josef Haydn, mit musikalischer Begleitung des Sinfonieorchesters. Es war das erste Mal, dass wir in einem Gottesdienst in einer Kirche vor so großem Publikum gesungen haben. Groß war deshalb auch die Anspannung während dieses Gottesdienstes, aber groß auch die Freude, als nach Ende der Messe tosender Applaus ertönte. Bei dem anschließenden Empfang fand Arbeitsdirektor Hans Krienke Dankesworte für alle Beteiligten und Sponsoren, verbunden mit der Bitte, diesen Gottesdienst als feste Einrichtung in Zukunft immer am Sonntag nach dem 4. Dezember zu feiern. So feiern wir in diesem Jahr bereits die zehnte Barbaramesse. Diese Veranstaltung ist nicht nur eine Feier zur Ehren der Hl. Barbara, sondern auch ein Identifikationspunkt für die Menschen unserer Bergbauregion geworden, was durch die Anwesenheit der Bürgermeister der umliegenden Gemeinden,
Demonstration für Bergbaustandort Ibbenbüren
Freunde kann man nie genug haben. Das gilt ganz besonders in Krisenzeiten. Der Deutsche Steinkohlenbergbau befindet sich schon seit Jahren in einer schwierigen Lage. Die Gründe dafür sind vielschichtig. War der Bergbau zusammen mit der Stahlindustrie nach dem letzten Weltkrieg der Motor der Deutschen Wirtschaft, so wird er heute mehr und mehr als unrentabler Wirtschaftszweig diskreditiert.
In der Bergbauregion ist das Gott sei Dank noch anders. Breite Schichten der Bevölkerung aber stehen zum Ibbenbürener Steinkohlenbergbau. Auf eindrucksvolle Weise wird das alljährlich bei der in Mettingen stattfindenden Barbara Messe demonstriert. Durch die Mitwirkung des Steigerchores, der Blaskapelle und des Sinfonieorchesters des Musikvereins Glückauf Anthrazit Ibbenbüren e.V. wird neben aller Frömmigkeit auch um Sympathie für den Bergbaustandort Ibbenbüren geworben. Der Steigerchor versteht sich als ein Sympathieträger für unsere Bergbauregion. Das haben wir bei den verschiedensten Anlässen durch unser Auftreten und unserem Gesang unter Beweis gestellt. Unter anderem im Juli 1989 bei der100‑ Jahrfeier der IGBE in Dortmund.
Im August 1993 beim Treffen der Katholischen Arbeiter Bewegung KAB des Bistums Münster in der Kreissporthalle Ibbenbüren und im Januar 1996 beim Neujahrsempfang der IGBE in Recke. Als 1995 wieder einmal dunkle Wolken über dem Deutschen Steinkohlenbergbau hingen, veranstalteten am 21. März die Stadt Ibbenbüren, die IGBE, der Betriebsrat der Preussag Anthrazit GmbH und die örtlichen Kulturveranstalter ein Bergbaufestival unter dem Motto: Kultur macht mobil für Solidarität. Hier haben wir in eindrucksvoller Weise mit mehreren Chorbeiträgen mitgewirkt. Im März 1997 spitzte sich die Lage zu. Die Ibbenbürener Bergleute legten die Arbeit nieder, nachdem Proteste gegen die Kürzung der Kohlesubventionen nicht gefruchtet hatten. Damals wurden die Bergleute von einer Riesensympathiewelle aus der Bevölkerung, verschiedener Organisationen und politischer Parteien unterstützt. „Preussag sagt Danke“ war das Motto der Veranstaltung im Juni 1997. Es war ein Familienfest mit vielen Attraktionen für die Belegschaft und für die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden. Der Steigerchor war selbstverständlich mit dabei.
Musikverein Glückauf Anthrazit Ibbenbüren e. V.
Am 17. März 2003 trafen sich einige Mitglieder des Werksorchesters und Vertreter der Werksleitung der DSK Anthrazit Ibbenbüren GmbH (Ab Januar 2008 RAG). Zweck der Versammlung war die Gründung eines Musikvereins.
Das Werksorchester des Unternehmens sollte am 31. März 2003 aufgelöst werden. Daher wurde nach einem Weg gesucht, wie man das Orchester erhalten und weiterführen könnte. In der Versammlung wurde dann die Gründung des Musikvereins Glückauf Anthrazit Ibbenbüren e.V. beschlossen. Das Werksorchester war immer ein Botschafter des Steinkohlenbergbaus dieser
Region. Diese Tradition will der Musikverein fortsetzen. Da der Steigerchor in gleicher Weise Botschafter und Sympathieträger für unsere Bergbauregion ist, wurde er eingeladen, dem neu gegründeten Verein als selbständige Abteilung beizutreten. Das ist inzwischen geschehen, die Regularien, Vereinssatzungen etc., sind abgeschlossen. Unser Chor hat einen neuen, etwas längeren Namen erhalten. Steigerchor im Musikverein Glückauf Anthrazit Ibbenbüren e. V. Formal agieren jetzt Orchester und Steigerchor unter einem Dach. Beide Abteilungen werden in Zukunft auch musikalisch noch enger zusammenarbeiten.
Musikalische Schwerpunkte
-Bergmännisches Liedgut
-See-, Volks- und Wanderlieder
-Messgesang (u. a. Barbaramesse)
Barbaralied
Heut erklingt zu Barb'ras Ehren
unser Bergmanns Dankeslied,
heut soll unser Lob sie hören,
singt, ihr Bergleut', singet mit!
Die Barbara im Schachte,
die Barbara zu Haus
Sei des Bergmanns Schutz im Dunkel,
sei des Bergmanns Trost da drauß.
Singt das Lied für alle Frauen,
die den Bergmann sich erwählt,
sie die Barbara im grauen Alltag,
den sie uns erhellt.
Ihr helft unsre Lasten tragen,
haltet treu und liebend aus,
mag der Berg uns auch einst schlagen,
ruh'n in eurem Schoß wir aus.
Musik: Amerikanische Volksweise
Text: Alfons Hau S: R. Bürger sen.
(Textquellen
- „mezzoforte“ - Festschrift 20 Jahre Steigerchor im Musikverein „Glückauf“Anthrazit Ibbenbüren e.V. erst. V. Heinz Schnitger 2005
- Bernhard Holwitt, MUSIK F UR VIELE Chronik der Bergkapelle des Werksorchesters der Preussag AG Kohle Ibbenbüren, Herausgeber Preussag AG Kohle, Ibbenbüren 1988)
